Freiarbeit

Basierend auf den Gedanken der Reformpädagogik ist die Freiarbeit eine Unterrichts- und Lernform des Offenen Unterrichts.
Freiarbeit meint keine beliebige Freiheit, sondern soll sich an sinnvollen Abarbeitungen im Blick auf lebensweltliche und sachliche (wissenschaftlich-technische) Probleme orientieren. In der Freiarbeit setzt sich der Schüler ein Lernziel, das er in Eigenleistung und mit einem hohen Maß an persönlicher Freiheit zu erreichen versucht.
Hierfür braucht es jedoch die Einlösung besonderer Bedingungen: die freie Wahl der Arbeit, eine relative Zeitfreiheit, d.h. ein eigenes Lerntempo in verschieden langen Arbeitsphasen, eine vorbereitete Umgebung, einen Lehrer, der berät und hilft, es braucht die Gruppe für soziales Leben und Lernen und es braucht Freiheit und Disziplin, da letztere den Rahmen geben, in dem sich die Freiheit entfalten kann. Dem Schüler wird in dieser Eigenverantwortung die Entscheidung hinsichtlich einer Auswahl an Arbeitsformen und Inhalten sowie bei der Planung von Aktivitäten überlassen. Somit ist nicht mehr der Lehrer für Planungs- und Entscheidungsprozesse verantwortlich, sondern übernimmt die Rolle eines Beraters und Begleiters.
Hierarchische Strukturen in der Beziehung Lehrer-Schüler können durch diese Rollenverteilung teilweise aufgelöst werden. Alle Unterrichtsaktivitäten sollen sich an den Interessen, d.h. insbesondere der Lebenswelt und an den Fähigkeiten des Lernenden, orientieren.
Ziel der Freien Arbeit ist es, das selbstverantwortliche Lernen und die sozialen Interaktionen zu fördern. Es geht somit nicht nur um inhaltliche Aspekte des Lernens. Praktische Begründung Freiarbeit als Methode basiert auf der Grundannahme, dass Kinder lernen wollen und dies auch eigenständig tun können. Wenn Lernen als Konstruktion von Wissen und nicht als Übertragung des Wissens von A nach B verstanden wird, dann muss Freiarbeit insbesondere die Eigenständigkeit und freie Wahl der Lerngegenstände und Lernformen usw. betonen.
Konstruiert wird Wissen effektiv, wenn der Schüler aktiv bei der Auswahl der Inhalte und Methoden mitwirkt. Dieses aktive, Interessen geleitete, nicht (oder je nach Ausprägung wenig) eingeschränkte Tätigsein wird im Unterricht durch die Methode der Freien Arbeit ermöglicht. Die Freiarbeit gewährleistet ein individuelles Arbeiten der Schüler.
Sie begegnet somit der Gefahr eines gleichschrittigen Unterrichts, besonders der Unter- oder Überforderung der Schüler sowie der Lebensferne, da an bereits vorhandenes Wissen und Fähigkeiten angeknüpft wird. Daher orientiert sich das Unterrichtsgeschehen an den Interessen der Schüler und berücksichtigt deren Ansprüche, Wünsche sowie deren individuelle Fähig- und Fertigkeiten. Im Prozess des Freien Lernens entdecken die Schüler eigenständig, welche Informationen, Wissensvorräte, Lernstoffe usw. ihnen zur Bewältigung ihrer Arbeitsaufgabe fehlen und wenden sich dabei auch bereits gelerntem Stoff wieder zu. Sie lernen also nicht linear, sondern pendelnd. Freiarbeit trägt ebenfalls zur Persönlichkeitsentwicklung bei, da sie wichtige Kompetenzen übt: Selbstständigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Einschätzen eigener Fähigkeiten, Reflektieren der Konsequenzen des eigenen Handelns, Selbstkontrolle, Erfahren eigener Grenzen, Selbstsicherheit beim Präsentieren.